Woher kommt der Kölner Karneval?

Kölner Karneval ©Andre Hünseler

Der Kölner Karneval ist fast so alt wie die Geschichte der Stadt selbst. So organisiert wie heute feiert man jedoch erst seit etwa 190 Jahren. Griechen und Römer feierten Dionysos und Saturn zu Ehren fröhliche Frühlingsfeste mit Wein, Weib und Gesang. Die Germanen feierten die Wintersonnenwende als Huldigung der Götter und Vertreibung der bösen Winterdämonen. Später übernahmen die Christen die heidnischen Bräuche. Die vorösterliche Fastenzeit wurde mit der Fastnacht oder dem Karneval (carne vale = Fleisch lebe wohl!) eingeläutet.

 

Im Mittelalter nahmen die Fastnachtsfreuden, die „Mummerei“, oft drastische Formen an, sehr zum Verdruss von Rat und Kirche der Stadt. Verbote und Verordnungen halfen wenig, es wurde trotzdem wild und fröhlich gefeiert. Zum Straßenkarneval gesellten sich im 18. Jahrhundert die so genannten „Redouten“ nach venezianischem Vorbild, ausgelassene Masken- und Kostümbälle, die zunächst dem Adel und dem reichen Bürgertum vorbehalten waren. 1794 wurde Köln von den französischen Revolutionstruppen erobert. Die neue Obrigkeit erlaubte den Einheimischen „de faire son tour“, ihre jecken Umzüge zu machen. Die Preußen, die kurz darauf die Macht übernahmen, hielten ein strengeres Regiment, was die Kölner nicht abhielt, ihre närrische Tradition zu pflegen. Der Karneval wurde romantisiert und verbürgerlicht. Er wurde geordnet. Mit dem „Held Karneval“, dem heutigen Prinz, kam eine weitere Facette hinzu. 1823 wurde das „Festordnende Komitee“ gegründet. Am 10. Februar desselben Jahres feierte Köln den ersten Rosenmontagszug unter dem Motto „Thronbesteigung des Helden Carneval“.

 

Das Dreigestirn mit Prinz, Bauer und Jungfrau (auch „Trifolium" genannt) gab es 1823 noch nicht. „Held Karneval“ war die zentrale Figur. 1825 trat erstmals der Kölner Bauer („Seine Deftigkeit") im Umzug auf. Er war seit dem Mittelalter Symbol für die Wehrhaftigkeit der alten Reichsstadt Köln und trägt Dreschflegel und Stadtschlüssel bei sich. Ebenfalls als mittelalterliches Symbol, nämlich der freien, unabhängigen Stadt, gilt die Kölner Jungfrau („Ihre Lieblichkeit"), die bereits im Rosenmontagszug 1823 auftaucht und immer von einem Mann verkörpert wird.

 

Nach der Gründung des Festkomitees waren die Kölner nicht mehr zu halten. Eine Karnevalsgesellschaft nach der anderen entstand. Von Herkunft und Ziel lassen sich die Karnevalsgesellschaften grob in zwei Gruppen einteilen: die Korpsgesellschaften, die Uniform tragen und sich mehr oder weniger als Persiflage auf das Militär verstehen, und die Komiteegesellschaften, die ebenfalls gleiche Jacken in den Vereinsfarben tragen und ein geselliges, karnevalistisches Angebot für die ganze Familie sein wollen.

 

Es entwickelten sich Form und Inhalt der Karnevalssitzungen, die „Bütt" als Podium der Redner tauchte auf, der Sitzungsleiter („Präsident") thronte auf der Bühne inmitten von zehn weiteren Herren im „Elferrat". Ab 1827 wurden Orden an besonders verdiente Narren vergeben (anfangs eine Persiflage auf das Militär). 1860 ging der erste Geisterzug am Abend des Karnevalssamstag. Auch nach der Jahrhundertwende hielt die „Gründerzeit“ der Jecken an. 1902 entstand die Ehrengarde, als Begleittruppe von Bauer und Jungfrau. 1906 bekam Prinz Karneval seine Prinzengarde. Weitere Gesellschaften etablierten sich. Willi Ostermann mit seinen Liedern und die originelle Grete Fluss machten den Kölner Karneval über die Stadtgrenzen hinaus berühmt. Die „Sitzungen“ mit Büttenrednern und Liedersängern überbrückten die Zeit vom 11.11. bis zum Beginn des Straßenkarnevals.

 

So ist es noch heute. Nun sind Gruppen wie Bläck Fööss, Höhner und Brings die Markenzeichen der „fünften Jahreszeit“. Berühmt ist der „Stippeföttchen-Tanz“ der Roten Funken, eine Persiflage auf strammes Soldatentum. Mittlerweile gibt es zirka 160 Karnevalsgesellschaften, Heimatvereine, Viertelgemeinschaften, die das „vaterstädtische“ Fest in rund 600 Sitzungen, Bällen und Umzügen feiern.

 

Inzwischen hat sich in Köln eine alternative Karnevalsszene entwickelt, die sich vom traditionellen Festkomitee und den dort angeschlossenen Vereinen und Gesellschaften abgrenzt und sie kritisch aufs Korn nimmt.

 

Aus der Vielfalt des karnevalistischen Treibens in Köln lässt sich herauslesen: der Karneval packt in dieser Stadt alle gesellschaftlichen Schichten und Gruppierungen, es ist ein Volksfest. Und es wird eine Form von Toleranz sichtbar, die jeden nach seiner Façon glücklich werden lässt. „Jede Jeck es anders“, das ist ein geflügeltes Wort, das nicht nur in der Karnevalszeit in Köln eine große Rolle spielt.

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